Exposé: Die letzte Schlacht & die Thunfischmafia

Langzeit-Dokumentation über das Ende des traditionellen Thunfischfangs im Mittelmeer und die Folgen

TEASER - Die letzte Schlacht

Teaser: Die letzte Schlacht (DUR: 02´10)

Synopsis

Rund 2000 Jahre lang galt Thunfisch als „Arme-Leute-Mahlzeit“, bis er zum Ende des 20. Jahrhunderts zur Delikatesse wurde und seitdem erbarmungslos gejagt und zu Sushi und Sashimi verarbeitet wird. Es reichten 40 Jahre Abfischen und speziell der begehrte Blauflossen-Thunfisch stand unvermittelt weit oben auf der Liste der bedrohten Arten.

Erst nach lauten Protesten von Umweltschützern folgten neue gesetzliche Bestimmungen, Quotenregelungen und schärfere Kontrollen. War man sich vor gut 10 Jahren nicht sicher, ob dieser außergewöhnliche Fisch heute noch existieren würde, haben sich aller Skepsis zum Trotz die Bestände erholt. Der auch „schwarzer Diamant der Meere“ genannte Blauflossen-Thunfisch hat überlebt, nicht aber die antike und nachhaltige Tradition des Fischfangs. Vor Sardinien wird Thunfisch seit 1497 mit großen Unterwasserfallen, einem ausgeklügelten System an Netzen, gefangen, vor Ort getötet, verarbeitet und verkauft.

Seit wenigen Jahren aber werden die wertvollen Tiere aus den Fallen lebend zu Mastfarmen vor Malta transportiert, fett gefüttert und dann direkt nach der Schlachtung im offenen Meer auf -60 Grad schockgefroren, bevor sie nach Asien weitertransportiert werden. Bekommt ein Fischer im Mittelmeerraum ca. 2 € pro Kilo Blauflossen-Thunfisch, zahlen Konsumenten in Japan im Durchschnitt 300 € pro Kilo.

Die meisten Fischer wurden arbeitslos und die Verbraucher in dieser fischreichen Mittelmeer-Region finden größtenteils nur noch importierten Gelbflossen-Thunfisch aus dem Pazifik auf dem heimischen Fischmarkt.

„Die letzte Schlacht“ zeigt den rasanten Weg einer über Jahrhunderte bewährten Fischerei in eine Zukunft, in der eine monopolisierte und technologisch hochgerüstete Fischereiindustrie mit teilweise mafiösen Strukturen die Vorherrschaft übernommen hat.

PRODUKTION

  • Format: Dokumentation
  • Details: TV, 43 min, HD
  • Themen: Dokumentarfilm, Mensch und Gesellschaft, Natur und Umwelt, Politik und Zeitgeschehen
  • Status: In Produktion

Protagonisten

Nicolo Puggioni

Rais

Nicolo Puggioni war Rais (Chef) der Tonnara (Stellnetz) in Portoscuso, Verantwortlich für alle Aktionen an Land und im Meer. Jeder hörte jeder auf sein Kommando. Er hat die letzte traditionelle „Mattanza“ vor Sardinien geleitet. Die Entscheidung, in Zukunft mit der Marine wieder zur See zu fahren, fiel ihm nicht leicht. Sein Leben war bestimmt vom Thunfischfang.

Blasco

Tonnaroto

Blasco ist der Star unter den Tonnaroti und in der Gemeinde von Carloforte. Er wird auch „Rambo“ genannt. Nur wenige haben seinen Mut, sich in die sogenannte „Todeskammer“ mit gigantischen Thunfischen zu stürzen, um sie dort mit einem gezielten Messerstich zu töten. Aber das Risiko ist hoch. Ein Schlag mit der Schwanzflosse kann tödlich sein. Der erfahrene Tonnaroto lebt und liebt seinen Job, will die antike Tradition bewahren.

Dr. Antonio Di Natale

ICCAT

Dr. Antonio Di Natale war als Koordinator bei der ICCAT (Internationale Schutzkommission für den Thunfisch im Atlantik) zuständig für die Beobachtung des Blauflossen-Thunfischs im Atlantik und im Mittelmeer. Die ICCAT legt die jährlichen Fangquoten fest und kontrolliert die Fischereiflotten, die Tonnaras und die Thunfisch-Mastfarmen. Di Natale gilt als die Koryphäe in allen Fragen zu der bedrohten Fischart. Er sieht in den Tonnaras die nachhaltigste Methode, den Blauflossen-Thunfisch zu fangen.

Ettore Biggio

Rais

Ettore Biggio ändert als neuer Rais alles in der Tonnara. Unter seinem Kommando gibt es auch weniger Alkohol für die Tonnaroti während der Arbeit. Seine Crew behandelt er sehr behutsam – bis zur (neuen Form) „Mattanza“, der Treibjagd der Fische in den neuen Transport-Käfig. Als erbarmungsloser Kommandeur gibt er dann scharfe Befehle und beschimpft teilweise sogar seine Mannschaft. Ettore plant mit Manager Andrea Farris die erste Mastfarm vor der Küste Sardiniens zu etablieren.

Andrea Farris

Manager der Tonnara

Andrea Farris ist der Manager der Tonnara in Portoscuso, sein Vater der Besitzer. Eine restriktive Quotenregelung zwang ihn dazu, von der traditionellen Fangmethode abzurücken.

Seine Entscheidung, die gefangenen Fische zu Mastfarmen vor Malta zu transportieren, hatte gravierende Folgen für die Tonnaroti und die lokale Wirtschaft. In 2019 etabliert er eine Mastfarm vor der Küste Sardiniens.

Dr. Philipp Kanstinger

WWF

Dr. Philipp Kanstinger ist Referent für Seafood Zertifizierungen beim Internationalen WWF-Zentrum für Meeresschutz. Ihm liegen aktuellste internationale Forschungsergebnisse vor und er bewertet die aktuelle Situation des Blauflossen-Thunfischs auch in Bezug auf Deutschland als ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet. Dr. Kanstinger hat langjährige Erfahrungen als Meeresbiologe und Forschungstaucher. Er arbeitet eng zusammen mit dem Team des „WWF-Fischratgebers“.

Franco

Kapitän

Franco hat es nicht leicht mit den Tonnaroti. Als Kapitän des einzigen Schiffs in der Tonnara muss er nicht nur schwierige Manöver steuern, er muss sich auch mit den Tonnaroti engagieren. Das ist nicht immer einfach und hing oftmals von deren Alkoholpegel ab. Der erfahrene Seemann ist die gute Seele der Mannschaft. Von den Modernisierungen in der Tonnara hält er nicht viel. Früher war er mit 80, heute nur noch mit ca. 20 Tonnaroti unterwegs. Franco blickt mit Sorge auf den Arbeitsmarkt der Region.

Gegè

Tonnaroto

Gegè ist für die Abrechnung zuständig und ist nach dem Rais wichtigster Tonnaroti in der Hierarchie der Fischer. Als sogenannter „Tabarchiner“ ist er ein direkter Nachfahre der ersten Siedler Carlofortes (Isola di San Pietro) von der Insel Tabarca vor der Küste Tunesiens vor ca. 300 Jahren. Gegè ist sehr religiös und hat wie alle Inselbewohner eine enge Bindung zum Meer. Alle seine Vorfahren waren mit dem Thunfischfang beschäftigt.