Exposé: Die letzte Schlacht im Kampf mit der Thunfischmafia

Reportage

TEASER - Die letzte Schlacht

Teaser: Die letzte Schlacht (DUR: 02´18)

Synopsis

Mafiöse Machenschaften im Handel mit einem der teuersten Fische, dem Blauflossen-Thunfisch, haben die weltweit größte Polizeiaktion gegen die Schwarzmarkt-Händler und deren Handlanger ausgelöst. Und das kurz vor 12, denn die illegale „Abfischung“ torpediert alle Bemühungen der ICCAT, EU, Umweltorganisationen und letztendlich der Verbraucher, den Bestand dieser Art zu erhalten und den Umgang mit ihr nachhaltig zu gestalten. Es ist ein kriminelles und organisiertes Netzwerk, das mit dem schnellsten Räuber der Meere ohne Skrupel Kasse macht.

Rund 2000 Jahre lang galt Thunfisch als „Arme-Leute-Mahlzeit“, bis er zum Ende des 20. Jahrhunderts zur Delikatesse wurde und seitdem erbarmungslos gejagt und zu Sushi und Sashimi verarbeitet wird. Es reichten 40 Jahre Abfischen und speziell der begehrte Blauflossen-Thunfisch stand unvermittelt weit oben auf der Liste der bedrohten Arten.

Erst nach lauten Protesten von Umweltschützern folgten neue gesetzliche Bestimmungen, Quotenregelungen und schärfere Kontrollen. War man sich vor gut 10 Jahren nicht sicher, ob dieser außergewöhnliche Fisch heute noch existieren würde, haben sich aller Skepsis zum Trotz die Bestände erholt.

Der auch „schwarzer Diamant der Meere“ genannte Blauflossen-Thunfisch hat überlebt, nicht aber die antike und nachhaltige Tradition des Fischfangs.

Vor Sardinien wird Thunfisch seit 1497 mit großen Unterwasserfallen, einem ausgeklügelten System an Netzen, gefangen, vor Ort getötet, verarbeitet und verkauft. Seit wenigen Jahren aber werden die wertvollen Tiere aus den Fallen lebend zu Mastfarmen vor Malta transportiert, fett gefüttert und dann direkt nach der Schlachtung im offenen Meer auf -60 Grad schockgefroren, bevor sie nach Asien weitertransportiert werden.

Bekommt ein Fischer im Mittelmeerraum ca. 2 € pro Kilo Blauflossen-Thunfisch, zahlen Konsumenten in Japan im Durchschnitt 300 € pro Kilo. Die meisten Fischer wurden arbeitslos und die Verbraucher in dieser fischreichen Mittelmeer-Region finden größtenteils nur noch importierten Gelbflossen-Thunfisch aus dem Pazifik auf dem heimischen Fischmarkt.

„Die letzte Schlacht“ zeigt den rasanten Weg einer über Jahrhunderte bewährten Fischerei in eine Zukunft, in der eine monopolisierte und technologisch hochgerüstete Fischereiindustrie mit teilweise mafiösen Strukturen die Vorherrschaft übernommen hat.

PRODUKTIONSDETAILS

  • Produktion: Thiele Film, Krosnoff-Media
  • Redaktion: Markus Thiele
  • Format: Dokumentation
  • Details: TV, 43 min, HD
  • Themen: Dokumentarfilm, Mensch und Gesellschaft, Natur und Umwelt, Politik und Zeitgeschehen
  • Status: In Produktion

Overview

Protagonisten

Dr. Philipp Kanstinger

WWF

Dr. Philipp Kanstinger ist Referent für Seafood Zertifizierungen beim Internationalen WWF-Zentrum für Meeresschutz. Mit diesem Zentrum in Hamburg will der WWF Deutschland dazu beitragen, dass mindestens zehn Prozent der Ozeane dauerhaft durch Schutzgebiete gesichert werden und der industriellen Überfischung der Ozeane Einhalt geboten wird. Dr. Kanstinger liegen aktuellste internationale Forschungsergebnisse vor und er bewertet die aktuelle Situation des Blauflossen-Thunfischs auch in Bezug auf Deutschland als ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in der Arbeit als Meeresbiologe und Forschungstaucher und arbeitet eng mit dem Team des „WWF-Fischratgebers“ zusammen.

Steffen Henssler, tbc.

Spitzenkoch

Steffen Henssler gehört zu den Sushi-Meistern in Deutschland und ist vor 10 Jahren mit gutem Beispiel vorangegangen. Er ist bekannt für seine außergewöhnlichen Seafood-Kreationen und verzichtet seit 2009 bei TV-Auftritten und in seinen Restaurants komplett auf die Zubereitung von Blauflossen-Thunfisch. Als „Meeresanwalt“ für den WWF hat Steffen Henssler angesichts der damals dramatischen Lage dieser Art mit der Umweltschutzorganisation eine europaweite Schutzkampagne unterstützt.

Die Kampagne hat viel bewirkt, jetzt hat sich der Bestand erholt und der Blauflossen-Thunfisch taucht auch wieder in Nord- und Ostsee auf. Ändert das nun die deutschen Speisekarten?

Yuki Hamasaki, tbc.

Sushi-Master

Bevor es Yuki Hamasaki nach Hamburg zog, war der Japaner unter anderem im Shiki (Sydney) im Ritz Carlton Osaka und als persönlicher Koch des japanischen Generalkonsuls in Edinburgh tätig. Er gilt als einer der weltweit besten Sushi-Meister. Derzeit verzaubert er die Gäste im „NIKKEI NINE“ des Hotels Vier Jahreszeiten.

Dieses Restaurant gehört zu den wenigen in Deutschland mit Blauflossen-Thunfisch auf der Speisekarte. Yuki Hamasaki hat erst im Juli 2018 den spanischen Zulieferer „Grup Balfegó“ besucht und sich über die Bedingungen (Fang, Mast, Transport, Hygiene, etc.) informiert. Momentan ist die Gruppe führend im Fang, der Unterhaltung und der Kommerzialisierung von Blauflossen-Thunfisch in Spanien und wichtiger Zeuge bei der „Operation Tarantelo“ von Europol.

Gesine Meißner, tba.

Ex-MdEP

Nach der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik steht für Gesine Meißner in den kommenden Jahren die Umsetzung des Ziels einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischbestände ganz oben auf der Agenda. Dadurch soll eine mittel- und langfristig Erholung sowohl der Bestände als auch der Fischerei als Wirtschaftszweig erreicht werden. „Ich werde mich auch dafür einsetzen, die durch die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik eingeleitete Wende für eine wirtschaftlichere, modernere und nachhaltigere Fischerei fortzuführen und konsequent umzusetzen ohne die kleine und handwerkliche Fischerei aus den Augen zu lassen. Außerdem ist mir der Aufbau von Aquakultur wichtig, um die steigende Nachfrage zu sichern. Klassische Fischerei kann dies angesichts vieler überfischter Bestände nicht leisten“, so Meißner.

Marcos García Rey, tbc.

ICIJ / El Confidencial

Marco García Rey ist Reporter bei „El Confidencial“ und hat bis heute an sechs umfangreichen Recherchen des ICIJ teilgenommen, darunter an dem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Projekt „Panama Papers“. 2010 beteiligte er an dem ersten ICIJ-Projekt „Looting the Seas I“. Das Projekt wurde 2010 mit dem Whitman Bassow Award des Overseas Press Club of America und dem Tom Renner Award von IRE für 2010 ausgezeichnet. Im Jahr 2011 war er auch Mitglied des Teams, das die Untersuchung „Looting the Seas II“ durchführte. García Rey ist bei „El Confidential“ für die Berichterstattung über die Operation „Tarantelo“ zuständig.

Andrea Farris

Manager Tonnara Italien

Andrea Farris ist der Manager der Tonnara in Portoscuso, sein Vater der Besitzer. Eine restriktive Quotenregelung zwang ihn dazu, von der traditionellen Fangmethode abzurücken. Seine Entscheidung, die gefangenen Fische zu Mastfarmen vor Malta zu transportieren, hatte gravierende Folgen für die Tonnaroti und die lokale Wirtschaft. In 2019 etabliert er eine Mastfarm vor der Küste Sardiniens.Derzeit ist unklar, welche Rolle er in den illegalen Aktivitäten der Fuentes-Gruppe gespielt hat.

Dr. Antonio Di Natale

ICCAT

Dr. Antonio Di Natale war als Koordinator bei der ICCAT (Internationale Schutzkommission für den Thunfisch im Atlantik) zuständig für die Beobachtung des Blauflossen-Thunfischs im Atlantik und im Mittelmeer. Die ICCAT legt die jährlichen Fangquoten fest und kontrolliert die Fischereiflotten, die Tonnaras und die Thunfisch-Mastfarmen. Di Natale gilt als die Koryphäe in allen Fragen zu der bedrohten Fischart. Er sieht in den Tonnaras die nachhaltigste Methode, den Blauflossen-Thunfisch zu fangen.

Ettore Biggio

Rais Tonnara IT

Ettore Biggio ändert als neuer Rais alles in der Tonnara. Unter seinem Kommando gibt es auch weniger Alkohol für die Tonnaroti während der Arbeit. Seine Crew behandelt er sehr behutsam – bis zur (neuen Form) „Mattanza“, der Treibjagd der Fische in den neuen Transport-Käfig. Als erbarmungsloser Kommandeur gibt er dann scharfe Befehle und beschimpft teilweise sogar seine Mannschaft.

Ettore plant mit Manager Andrea Farris die erste Mastfarm vor der Küste Sardiniens zu etablieren.

Karmenu Vella

EU-Kommissar

Seit 2014 ist Karmenu Vella als Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei ein Mitglied der Europäischen Kommission. Bei der Vergabe der Fangquoten für das Jahr 2015 war er in dieser Position federführend für die Abkehr der durch Nachhaltigkeit geprägten Politik seiner Vorgängerin Maria Damanaki, hin zu einer unnachhaltigen Fischereipolitik. Vella gab 2015 einen umfangreichen „Fitness-Check“ der EU-Naturschutzrichtlinien Natura 2000 in Auftrag. Die Studie bestätigte, dass nicht EU-Recht, sondern die mangelhafte Umsetzung vor Ort und die EU-Agrarpolitik das Hauptproblem für den Artenschwund sind.

Franco

Kapitän

Franco hat es nicht leicht mit den Tonnaroti. Als Kapitän des einzigen Schiffs in der Tonnara muss er nicht nur schwierige Manöver steuern, er muss sich auch mit den Tonnaroti engagieren. Das ist nicht immer einfach und hing oftmals von deren Alkoholpegel ab. Der erfahrene Seemann ist die gute Seele der Mannschaft. Von den Modernisierungen in der Tonnara hält er nicht viel. Früher war er mit 80, heute nur noch mit ca. 20 Tonnaroti unterwegs. Franco blickt mit Sorge auf den Arbeitsmarkt der Region.

Dr. Giovanni Cozzolino

Forscher

Dr. Giovanni Ciro Cozzolino leitet ein Programm zur Beobachtung des Blauflossen-Thunfischs im Mittelmeer. Dafür werden Fische markiert und deren Wege aufgezeichnet. Er hat herausgefunden, dass sich der Bestand erholt hat und entgegen aller bisherigen Annahmen ca. 50% der Thunfische, die zum Laichen ins Mittelmeer kommen, dort auch bleiben.

Zur Fangsaison kontrolliert er im Auftrag der italienischen Regierung neben anderen auch die Tonnara in Portoscuso.

Nicolo Puggioni

Ex-Rais

Nicolo Puggioni war Rais (Chef) der Tonnara (Stellnetz) in Portoscuso, Verantwortlich für alle Aktionen an Land und im Meer. Jeder hörte jeder auf sein Kommando. Er hat die letzte traditionelle „Mattanza“ vor Sardinien geleitet. Die Entscheidung, in Zukunft mit der Marine wieder zur See zu fahren, fiel ihm nicht leicht. Sein Leben war bestimmt vom Thunfischfang.


Das Thunfisch-Netzwerk

Quelle: Markus Thiele, graphcommons


Hintergrund

Die Tradition (Carloforte)

Erste Hinweise auf eine Tonnara ergeben sich aus Funden in der Franchthi-Höhle  an einer Bucht gegenüber Kilada in der Argolis auf der Peloponnes (Griechenland). Über mehrere Jahrhunderte (ca. 7.900 – 7.500 v. Chr.) war der Thunfisch dort ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Forscher gehen davon aus, dass der Thunfisch mit Stellnetzen in der Nähe des Ufers gefangen wurde.

Die Tonnara vor der sardischen Küste wurde von Tabarchini aus Afrika importiert. Im Jahre 1542 verließen die Einwohner von Pegli und den benachbarten Gemeinden ihre Heimat an der ligurischen Küste im Gefolge der Lomellini, einem stattlichen Handelsgeschlecht von Pegli und Genua, und ließen sich auf der Insel Tabarca vor der Küste Tunesiens nieder, wo sie bis ins Jahr 1735 nach Korallen tauchten und Thunfisch mit Tonnaren fingen. Als der Korallenabbau und somit der Tribut an die Lomellini immer weiter zurückging und somit für alle Seiten nicht mehr rentabel war, sich zudem die Auseinandersetzungen mit den Muslimen verstärkten, unterbreitete König Karl Emanuel III. von Savoyen das Angebot, die noch unbewohnte Insel San Pietro vor Sardinien zu besiedeln. Ein Teil der Tabarchini nahm das Angebot an und siedelte sich 1738 auf der Sardinien vorgelagerten Insel an. Zu Ehren des Königs nannten sie den neuen Ort Carloforte („Karl der Starke“).

Mattanza in Carloforte (ca. 1930).

1798 wurde Carloforte von Piraten heimgesucht und etwa 900 Einwohner gefangen genommen, die in Tunis als Sklaven gehalten wurden. Nach fünf Jahren konnten sie freigekauft werden. In dieser Zeit hat der carlofortinische Sklave Nicola Moretto am Strand von Nabel bei Tunis die eine durch die Wellen angespülte Galionsfigur eines Seglers gefunden. Diese „Schwarze Madonna“ wurde von den Sklaven auf afrikanischem Boden als göttliches Zeichen gedeutet zum Trost für erlittene Leiden und Verfolgungen.

Sie nahmen sie nach ihrer Befreiung mit auf die Insel San Pietro wo sie bis heute ein bedeutendes Symbol der Freiheit, des Glaubens und der Solidargemeinschaft für alle Carlofortiner ist. Die Verehrung der „Madonna dello Schiavo di Carloforte“ ist auf die Wurzeln der Kolonie zurückzuführen und der Kult um die Schutzpatronin der Korallentaucher und Thunfischfänger wird noch heute begangen. Der 29. Juni ein hoher Feiertag in Carloforte. Die Feierlichkeiten enden am Abend erst mit einer eindrucksvollen Prozession auf dem Meer.

Die religiöse Huldigung dient dazu, den göttlichen Segen zu begünstigen für alle Aktivitäten zu Wasser und für den Thunfischfang, der die Haupteinnahmequelle für die Bevölkerung darstellte. Nach der traditionellen „Mattanza“ (Schlacht) haben alle Tonnaroti zu ihrer Schutzpatronin gebetet.

Quelle: Mit Material von Wikipedia, scattidigusto.it

Eiszeit für die Fischer

Der Weltmarkt hat die antike Tradition der Fischer im Mittelmeerraum beendet. Die Aufwertung der der „Arme-Leute-Mahlzeit“ zur Delikatesse zwingt ganze Regionen zum Umdenken. Moderne Transportsysteme schaffen die Ware Thunfisch jetzt auf jede gehobene Speisekarte weltweit, Höchstpreise garantieren den Betreibern der regionalen Fischereien beste Umsätze, der regionale Markt spielt ökologisch und ökonomisch verrückt.

Bis heute hat der Blauflossen-Thunfisch überlebt und er wird derzeit besser geschützt. Die verantwortlichen Aufsichtsbehörden und Komissionen (EU, ICCAT, Küstenwachen) sehen sich aber mit neuen, globalen Anforderungen konfrontiert. Und eindringlich warnen Umweltbehörden davor, dass die derzeitige Bestandserholung einen entspannten Ausblick in die Zukunft erlauben würde. Im Gegenteil: Jetzt gilt es, den Bestand zu erhalten, anstatt aus dem Vollen zu fischen.

Wenige Konzerne bestimmen hochtechnisiert und einzig mit profitorientierten Interessen den weltweiten Thunfisch-Markt. Die zunehmenden illegalen und kriminellen Praktiken sind mittlerweile auch im Fokus von Europol.

Einfrieren bei extrem niedrigen Temperaturen

Obwohl es beim Einfrieren bei sehr niedrigen Temperaturen keine klaren Definitionen gibt, wird die Umgebung als solche definiert, in der Temperaturen bei minus 55 Grad oder darunter liegen. Normale Tiefkühlkostprodukte werden auf minus 18 Grad gefroren. Der Unterschied groß. Wenn zudem gerade bei Thunfisch die Einfriergeschwindigkeit langsam ist, fließt beim Auftauen viel Wasser aus. Auch schreitet selbst im gefrorenen Zustand die Oxidation fort, wenn die Temperaturen nicht sehr niedrig sind.

Um den im Meer gefangenen Thunfisch als Sashimi verkaufen zu können, ist es notwendig, seine leuchtend rote Farbe beizubehalten. Diese steht für die Qualität des Produkts. Für den Geschmack ist eine möglichst originale Zellstruktur notwendig.

Quelle: asahi.com

Fragwürdige Frachter

Von Dezember bis Januar sind unter anderen die drei größten und modernsten Kühlschiffe der japanischen Firma TOREI (Tochter des Thunfischgiganten Mitsubishi) im Mittelmeer unterwegs und sammeln die Blauflossen-Thunfische aus den Mastfarmen ein. In dieser Zeit haben die Thunfische bereits ca. 7 Monate Mast hinter sich und sind zudem wegen der tieferen Wassertemperaturen fetter und somit wertvoller. Tag und Nacht werden die Tiere einzeln aus den Käfigen gefischt, ausgenommen und dann sofort auf minus 60 Grad Celsius schockgefroren. Die Schiffe haben jeweils ein Fassungsvermögen von ca. 4.500 Tonnen.

Anders als beim klassischen Anlanden der Fänge in europäischen Häfen, wo sie speziell beim Blauflossen-Thunfisch genau dokumentiert und kontrolliert werden, übernehmen die Frachter den Fang im offenen Meer und steuern dann umgehend asiatische Häfen an. Dort werden die Fische direkt am Anleger in spezielle Kühlhäuser geladen. Der Mangel an wirksamer Überwachung und Kontrolle bietet den Akteuren die Möglichkeit, sich einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Verschleierung oder Manipulation von Daten über Fangmethoden, die gefangenen Arten oder Mengen und Fangorte sind die möglichen Folgen. Alle diese Praktiken tragen zur illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten (IUU) Fischerei bei. Analysen zeigen, dass die Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Menschenrechten (Sklaverei, Menschenhandel, Zwangsarbeit), die mit Umladungen auf See verbunden sind, eine transnationale Zusammenarbeit erfordern. Die Umweltverbände fordern nachdrücklich eine effektive Überwachung und Kontrolle dieser weltweit operierenden Frachtschiffe.

Quellen: Greenpeace, asahi.com, Frontiers in Marine Science

Neue Mastfarm vor Sardinien

Wurden in den letzten Jahren noch die in der Tonnara vor Sardinien gefangenen Blauflossen-Thunfische in Käfigen nach Malta geschleppt, plant der Manager Andrea Farris ab 2019 eine Mastfarm vor der Küste Sardiniens zu etablieren. Da sich der Blauflossen-Thunfisch nicht in Aquakulturen züchten lässt, sind Mastfarmen die einzige Möglichkeit, den neuen internationalen Anforderungen zu entsprechen. Auch ist die Einrichtung einer solchen Mastfarm zumindest für die derzeit arbeitslosen Fischer (Tonnaroti) ein kleiner Hoffnungsschimmer auf eine Beschäftigung.

Thunfischfarm

Die Mittelmeerküste verwandelt sich in einen Thunfisch-Mastbetrieb. Thunfisch-Farmen sind äußerst gewinnbringend und zielen auf den japanischen Markt. Durch die Käfigmast werden aber auch mehr so genannte juvenile Thunfische weggefangen, die in Gefangenschaft nicht laichen. Für die Internationale Kommission zur Erhaltung der Thunfisch-Bestände im Atlantik (ICCAT) haben sich dadurch die Management-Probleme noch verschlimmert.

Ein weiteres Problem sind die hohen Mengen an Fisch, die zur Fütterung der in Käfigen gehaltenen Thunfische nötig sind. Auf ein Kilogramm Thunfisch kommen dabei bis zu 25 Kilogramm Fisch. Zwar frisst ein Thunfisch in Gefangenschaft nicht mehr, als im offenen Meer, aber er wird mit besonders fettreichem Fischfutter versorgt. Der meiste Futter-Fisch kommt aus Westafrika, dem Nordatlantik und Amerika. Immer wieder wird auf die Gefährdung lokaler Fischarten durch über Fischfutter eingeschleppte Krankheiten hingewiesen. Das Überspringen von Krankheiten auf wichtige lokale Fischbestände, wie etwa Anchovis oder Sardinen, kann für die einheimischen Fischer katastrophale Folgen haben.

Die hohe Nachfrage nach Fischfutter verlockt zudem die Fischer, bislang nicht kommerziell genutzte Fische zu fangen, z.B. die Ohrensardine im westlichen Mittelmeer. Der Anstieg der Ohrensardinen-Fänge gefährdet aber gleichzeitig eine der gesündesten Populationen des Gemeinen Delfins im Mittelmeer.

Thunfischmast bedeutet, dass eine Ressource, die den Fischerei-Kulturen rund um das Mittelmeer einst gemeinsam gehörte, nun von ein paar wenigen Investoren kontrolliert wird. Es geht nicht nur um die Privatisierung und Überfischung des Blauflossen-Thunfischs, sondern auch um die Gefährdung anderer Fischereien in der Region. Vor Sardinien klagen die Sardinen-Fischer bereits über einen starken Rückgang ihres Zielfischs.

Sashimi und Sushi – Die kalte Revolution

Roher Fisch, zubereitet als Sushi und Saschimi (dünn geschnittener roher Fisch), wurde in den westlichen Ländern erst Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts populär. Voraussetzung dafür waren geeignete Beschaffungswege für rohen Fisch. Thunfisch in Form von Sushi und Sashimi wurde erst dank neuer Kühlsysteme weltweit zur Delikatesse und steht im Markt in scharfer Konkurrenz zu hochwertigem Fleisch, dessen Wert allerdings steigt, wenn es gekocht, oder gebraten wird.

Mit der steigenden Nachfrage an fangfrischen Thunfisch hätten die Fischer auf See am liebsten die Zeit angehalten, denn dieser Fisch enthält viel Blut und kann daher nur sehr gut gekühlt transportiert werden. Die Oxidation ändert seine Farbe schlecht gekühlt innerhalb weniger Stunden. Diese Anforderungen führten in die Welt der extrem tiefen Temperaturen, in denen Thunfisch bestenfalls direkt nach dem Fang bei minus 60 Grad eingefroren wird. Bilder mit hellrotem Thunfisch, der jederzeit und überall serviert wird, sind heute alltäglich. Das ist das Ergebnis einer 30-jährigen Entwicklung und das Aus für den regionalen und traditionellen Thunfischfang.

In den großen Häfen Asiens (vor allem Japan) sind riesige Lagerhäuser für gefrorenen Thunfisch Standard. Sie verfügen über Anleger für Kühlschiffe, Lastwagen, die flüssigen Stickstoff als Kühlmittel verwenden, kommen und gehen. Die Häfen sind ein wichtiger Punkt einer „Kühlkette“, die es in Europa in dieser Form nicht gibt.

Quelle: asahi.com

Überlebenswichtig für den Thunfisch: Die Forschung

ICCAT

Die Internationale Kommission zur Erhaltung der Thunfische im Atlantik (ICCAT) ist eine zwischenstaatliche Organisation, die für die Bewirtschaftung und den Erhalt von Thunfisch und thunfischähnlichen Arten im östlichen Atlantischen Ozean und den angrenzenden Meeren verantwortlich ist. Ihren Forschungsergebnissen folgt die EU unter anderen bei der Festlegung der Fangquoten. Für den östlichen Blauflossen-Thunfisch wurde ein sehr strenger Wiederauffüllungsplan verabschiedet. Die aktuelle Entwicklung des Bestands ist ermutigend, muss aber gehalten werden. Aktuelle Forschungen, wie zum Beispiel die Auswertungen der Daten aus dem elektronischen Markieren (Taggen) von Blauflossen-Thunfischen, bringen völlig neue Erkenntnisse,

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die Grundlage für ein angepasstes und fundiertes Fischereimanagement sind. Die neuen Kenntnisse über die globale Migration des Blauflossen-Thunfischs und deren Laichgebiete fordern eine engere Zusammenarbeit der internationalen Behörden und Komissionen. War man sich bis vor wenigen Jahren noch sicher, dass der Blauflossen-Thunfisch nur zum Laichen aus dem Atlantik ins Mittelmeer kommt, zeigen die Daten, dass ca. 50% der Fische dort verbleiben. Auch wurde jetzt ein neues Laichgebiet in der „Slope Sea“ entdeckt. Bisher ging man davon aus, dass der Blauflossen-Thunfisch nur im Mittelmeer und im Golf von Mexiko laicht. Derzeit wird intensiv die Rückkehr dieser Fischart in Nord- und Ostsee untersucht.

Das rote Gold, der Blauflossen-Thunfisch

Alljährlich wird zur Neujahrsauktion auf dem Fischmarkt in Tokyo von Kiyoshi Kimura, Besitzer der Sushi-Restaurantkette Sushi Zanmai, ein Blauflossen-Thunfisch zum Rekordpreis ersteigert. Diese Marketingaktionen verfälschen in der allgemeinen Berichterstattung teilweise die tatsächlichen Durchschnittspreise.

Die unterschiedlichen Preise kommen ähnlich zustande, wie bei Rind, oder Schweinefleisch: Entscheidend ist, ob ein ganzer Fisch, oder nur bestimmte Teile verkauft werden. Der Preisunterschied liegt je nach Part und Verkaufsgebiet bei mehreren 100 Euro pro Kilo.

Animation: Teile des Thunfischs, verwendet für Sashimi und Sushi.

Erlöse pro Kilo Blauflossen-Thunfisch (Auswahl)
Lokaler Fischer (Mittelmeer): 2€ pro Kg
Regionaler Zwischenhändler: 10€ pro Kg
Farmer einer Mastfarm: 15€ pro Kg
Regionales Fischgeschäft im Fanggebiet: 20€ pro Kg
Supermarkt (Sardinien): 34€ pro Kg
Deutscher Onlineshop (Sushi-Qualität, Herkunft Italien): 46€ pro Kg
Dosenpreis Blauflossen-Thunfisch (Herkunft Sardinien): 100€ pro Kg
Großhändler (Toyosu-Fischmarkt, Tokyo): 160€ pro Kg
Onlineshop (Standard Sashimi, Japan): 250€ pro Kg
Onlineshop (Premium Otoro - Supreme Fat, Japan): 320€ pro Kg
Onlineshop (Oitama Toro, Japan): 420€ pro Kg

Quelle: Eigenrecherche

Ein zehnjähriger Kampf kann durch mangelnde Vorsicht verloren gehen, warnt der WWF

Die Europäische Union und andere Fischernationen der Internationalen Kommission zur Erhaltung der Thunfische im Atlantik (ICCAT) haben Ende 2017 (14. bis 22. November) in Marokko die mögliche drastische Zunahme der zulässigen Gesamtfangmengen des Blauflossen-Thunfischs aus dem Ostatlantik und des Mittelmeerraums erörtert. Der WWF warnte eindringlich vor einer zu schnellen Erhöhung der Fangquoten, die die vollständige Erholung der Thunfischbestände beeinträchtigen würde.

Nach mehr als zehn Jahren Kampf um den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung des Bestands des Blauflossen-Thunfischs schlug das Wissenschaftliche Komitee der ICCAT vor, den zulässigen Gesamtfang bis 2020 auf 36.000 Tonnen zu erhöhen (mehr als das Doppelte der Quote für 2015). Gleichzeitig wurde erklärt, dass sich der Bestand noch nicht erholt habe. Dieselben Wissenschaftler warnten auch davor, dass eine solch Quotenerhöhung in den kommenden Jahren möglicherweise wieder zu einer Verringerung der Populationen von Rotem Thun führen könnte.

Darüber hinaus schlug die Europäische Union vor, den 2007 verabschiedeten Wiederauffüllungsplan zu unterbrechen, der 2022 enden soll, also fünf Jahre vor der ursprünglichen Frist. Der WWF warnte davor, dass neue Verhandlungen und Änderungsmaßnahmen eingeleitet werden, was zu einem schwächeren Management des Bestands des Blauflossen-Thunfischs führen würde.

„Der Bestand an Blauflossen-Thunfisch sei noch nicht bereit, einen derart raschen Anstieg der Fangquoten auszuhalten. Er würde unter einer weniger strengen Bewirtschaftung leiden. Es hat mehr als zehn Jahre gedauert, bis der Roten Thun wieder in unsere Meere gebracht wurde, und wir können diesen Erfolg nicht kurzfristig wieder verlieren“, erklärte Alessandro Buzzi, Leiter der Fischereiprojekte beim WWF Mediterranean. „Die zur Erholung der Art ergriffenen Maßnahmen erzielen sehr positive Ergebnisse. Der Blauflossen-Thunfisch wird nicht mehr überfischt. Wir fordern die Regierungen dazu auf, auf diesen Erfolg aufzubauen und auf die vollständige Erholung der Art zu warten“, fügte er hinzu.


Der WWF empfahl eine Quote von 28.000 Tonnen bis 2020, damit der Bestand weiter wachsen könne und forderte die Fortsetzung des Bestandserholungsplans, bis er von Wissenschaftlern für wiederhergestellt erklärt werde. Darüber hinaus forderte der WWF die Staaten auf, den kleinen regionalen Fischereien wieder höhere Quoten zuzuteilen. Diese waren in den letzten zehn Jahren vom Zugang zu der Ressource größtenteils ausgeschlossen worden, vorausgesetzt, dass die derzeitigen Überwachungs- und Kontrollstandards gewährleistet seien.

Auch warnte der WWF vor den weitgehend unbekannten Auswirkungen der illegalen und unregulierten Fischerei (IUU), die vermutlich im Mittelmeerraum weit verbreitet sei. „Der Wiederaufbau des Blauflossen-Thunfischbestands war eine große Herausforderung. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen und geduldig sein, bis sich der Bestand endgültig erholt hat. Dies sollte bald geschehen, wenn wir weiterhin bewährte Verfahren anwenden.“

Quelle: WWF 

Kompletter Ausfall der ICCAT. Die EU und die Fischernationen lassen kriminellen Aktivitäten und dem illegalen Fischen von Thunfisch im Atlantik die Tür offen

Nach acht Tagen hitziger Verhandlungen haben die EU und die 50 Thunfischfangnationen, die die Internationale Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) bilden, Kroatien verlassen, ohne dringend erforderliche Maßnahmen zur Beendigung des massiven illegalen Handels und die anhaltende Überfischung von tropischem Thunfisch mit Blauflossen-Thunfisch getroffen zu haben.

Ein stärkeres Verbot von Hai-Flossen wurde erneut blockiert, wodurch die Art noch gefährdeter würde. Der WWF verurteilte nachdrücklich die verantwortungslosen Entscheidungen der ICCAT-Vertragsparteien, die weiterhin den Abbau wertvoller Fischressourcen zu Gunsten privater und sogar krimineller Interessen zuließen. Alessandro Buzzi, Regionaldirektor für Blauflossen-Thunfisch der WWF Mediterranean Marine Initiative, sagte: „Es ist bedauerlich, dass die ICCAT-Vertragsparteien keine einheitliche und entschiedene Reaktion gegen kriminelle und nicht nachhaltige Aktivitäten in der Thunfischfischerei gefunden haben. Das heutige Ergebnis wird den Fischerei- und Landwirtschaftsunternehmen die Freiheit lassen, weiterhin große Mengen nicht deklarierter Thunfisch zu schmuggeln. Dies sind Aktivitäten, die kriminelle Netzwerke speisen und die Thunfischbestände auf Kosten der Verbrauchersicherheit verringern.“

Der ursprüngliche EU-Vorschlag für einen stärkeren Bewirtschaftungsplan, der einige neue Flexibilitätsmaßnahmen bei gleichzeitiger Sicherstellung der Artenerhaltung und verstärkten Kontrollen beinhaltet hätte, wurde durch die ICCAT-Vertragsparteien aus dem südlichen und östlichen Mittelmeerraum stark geschwächt (Die ICCAT-Parteien, die sich gegen den EU-Vorschlag zu Rotem Thunfisch ausgesprochen haben, waren: Algerien, Tunesien, Marokko und die Türkei). Der WWF unterstützte die endgültige Vereinbarung nicht, die die Möglichkeit beinhalte, ohne die Kontrollen zu stärken, da dies nicht zu mehr Rechtmäßigkeit und Nachhaltigkeit führe. Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wurde durch eine kurz zuvor durchgeführte Untersuchung des illegalen Handels mit Blauflossen-Thunfisch deutlich. Bei einer internationalen Operation von Interpol wurde festgestellt, dass spanische Unternehmen (u. a. FUENTES), französische und italienische Häfen, sowie maltesische Blauflossen-Thunfischfarmen diesen Fisch im Wert von 12 Mio. EUR pro Jahr illegal handelten.

Quelle: WWF

Zurück in der Ostsee

Als es seit 2015 zunehmend Berichte über Thunfischsichtungen (Blauflossen-Thunfisch) in der westlichen Ostsee bis hin zur Öresundbrücke gab, waren sich die Fischer nicht im Klaren, welche Bedeutung dies für sie hätte. Als in 2016 die Sichtungen immer häufiger wurden, starteten die Regierungen Schweden und Dänemark ein Forschungsprogramm. Die Absicht ist, einen gezielten und kontrollierten Fang wieder zu etablieren. Die Wissenschafter legten ein besonderes Augenmerk auf die Anzahl der Fische, die Verbreitung und die zurückgelegten Wege. Im August 2017 wurden unter der Leitung der dänischen und schwedischen Regierung im Skagerrak 80 Blauflossen-Thunfische gefangen und elektronisch markiert.

Selbst Carl Gustaf, König von Schweden, verfolgte interessiert die Arbeiten der Fischer und Forscher. Es wurde es zur Gewissheit, dass der Blauflossen-Thunfisch nach 60 Jahren wieder in die Ostsee zurück gekehrt ist.

Die dänischen Fischer wollen sie am liebsten so bald wie möglich wieder fangen und die dänische Regierung macht Druck bei der EU. Zwischen 200 und 300 Kilogramm wiegen die Thunfische, die sich derzeit wieder in dänischen Seegebieten tummeln. Die Auswertung des Forschungsprogramms ist noch in vollem Gange, genauso wie der Kampf um die Fischereirechte. In den Augen der Erwerbsfischer bringe allein ein Blauflossen-Thunfisch bis zu 14.000 Euro auf dem internationalen Markt. Diese Preise sind auf dem Fischmarkt in Tokyo durchaus üblich, gelten aber mit Sicherheit nicht für lokale Fischer in Dänemark. Für einen Blauflossen-Thunfisch (250 kg) sind 3.700 € eher realistisch. Aber auch Freizeitfischer sehen ihre Möglichkeiten, Geschäfte mit Angeltouren zu machen.

Fischereiministerin Eva Kjer Hansen (Venstre) hat bereits ihre Fühler nach Brüssel ausgestreckt, so die Apenraderin Politiken: „Wir haben unseren Hut in den Ring geworfen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir alle fasziniert davon sind, dass der Thunfisch da ist. Es zeichnen sich neue und spannende Möglichkeiten für die Fischerei ab, wenn wir eine Einigung über eine Quote erreichen, um wieder Thunfische fischen zu können.“

Quelle: Mit Material von shz.de, WWF, anglerboard.de


Illegaler Handel mit Blauflossen-Thunfisch in Deutschland

Mindestens 3000 Kilogramm illegal gehandelter Blauflossen-Thunfisch ohne die gesetzlichen Fangdokumente (ICCAT-Zertifikat) kommen jede Woche aus Malta und Griechenland nach Deutschland. Dies berichtet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im März 2016.

Die größten illegalen Thunfischmärkte in Europa liegen in Deutschland und England. Die belgische zuständige Behörde bittet jetzt um Amtshilfe. Sie teilt mit, dass der Transport meistens per Landweg von Griechenland, insbesondere in den Süden Deutschlands, stattfindet. Außerdem wird per Flugzeug aus Malta der Blauflossen-Thunfisch über die Flughäfen Frankfurt, München oder Berlin nach Deutschland gebracht. In den Lieferdokumenten wird statt ‚Blauflossen-Thunfisch‘ die Bezeichnung ‚frischer Fisch‘ oder ‚Tuna Alalunga‘ angegeben. Die Exporteure von illegalem Thunfisch sind sogar bekannt. Der größte ist die Firma Malta Fish Farming, die insgesamt 5000 Kilogramm pro Woche nach Deutschland und England verkauft.

Der Sachverhalt ist bereits einige Jahre bekannt. Die Behörden in Griechenland und Malta wurden mehrere Male kontaktiert, Maßnahmen wurden aber nicht ergriffen. Die ‚Internationale Schutzkommission für den Thunfisch im Atlantik‘ (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas – ICCAT) wurde informiert.

Quelle: Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels


Strafverfahren und 79 Festnahmen wegen illegal gefangenen Blauflossen-Thunfisch

Bei einer Razzia der spanischen Polizei wurden im Oktober 2018 79 Menschen festgenommen, als sie 80 Tonnen Blauflossen-Thunfisch aus Malta und Italien illegal nach Spanien liefern wollten. Die Festnahmen wurden in verschiedenen Provinzen von der spanischen Guardia Civil und Europol vorgenommen („Operation Tarantelo“). Die spanischen Unternehmen, die Ziele der polizeilichen Maßnahmen waren, sollen Blauflossen-Thunfische gehandelt haben, die über den Quoten der maltesischen und italienischen Fischereibetriebe lagen. Die Vorwürfe: Illegale und unregulierte Fischerei (IUU), Lebensmittelbetrug und Dokumentenbetrug.

Schätzungen der spanischen Polizei zufolge soll eine kriminelle Vereinigung ca. 1.250 Tonnen Blauflossen-Thunfisch legal nach Japan exportiert, zudem aber über 2.500 Tonnen nicht zertifizierten Thunfisch mit einem geschätzten Wert von ca. 12 Millionen Euro illegal gehandelt haben.

Die Operation begann im Jahr 2017 mit der Beobachtung kleiner Unternehmen, die sich dann auf große europäische Thunfisch-Farmer ausbreiteten. Europas Schwergewicht „Ricardo Fuentes und Hijos“, der auch die maltesische Thunfisch-Mast „Mare Blu“ besitzt, gilt als Drahtzieher. Die Ermittler stolperten über eine Lastwagenladung mit 50 Tonnen illegal gehandelten Blauflossen-Thunfisch aus Italien. Die Ermittlungen, an denen auch Sicherheitskräfte aus Italien, Portugal und Frankreich teilnahmen, konzentrierten sich dann auf die spanische Region Valencia.

„Die Untersuchungen zeigten, dass der Fisch in Spanien illegal gehandelt wurde, aber durch französische Häfen ins Land eingeführt wurde, nachdem er in italienischen und maltesischen Gewässern gefangen wurde“, so Europol. Auch gelangten in italienischen Gewässern gefangene Fische ohne Dokumente oder Inspektionen über Mastfarmen vor Malta nach Spanien.

Das Thunfischgeschäft ist häufig mit anderen Straftaten wie Lebensmittelbetrug oder Dokumentenbetrug verbunden. Die Hauptrisiken für die Gesundheit der Verbraucher sind häufig die unhygienischen Bedingungen, unter denen der Fisch transportiert und gelagert wird. Auch die Lieferkette wurde im im vorliegenden Fall mehrmals unterbrochen, so dass die Fische verdarben und das Risiko einer Lebensmittelvergiftung für die Kunden erhöhten. Nach dem Verzehr des Thunfischs wurden wegen der unhygienischen Lagerbedingungen mehrere Fälle von Lebensmittelvergiftung festgestellt.

Die Unterstützung von Europol sei für den Erfolg der Operation Tarantelo von entscheidender Bedeutung gewesen, nicht nur durch Analyseunterstützung, sondern auch durch eine permanente Expertise und Beratung von Umweltkriminalitätsexperten. Bei der Razzia wurden zwei mobile Büros in Italien und Spanien, sowie Universal Forensic Extraction Devices (UFEDs) zur Unterstützung vor Ort eingesetzt. Neben der Festnahme von 79 Verdächtigen führte die spanische Guardia Civil 25 Durchsuchungen durch, bei der sie die ca. 80 Tonnen illegal gehandelten Blauflossen-Thunfisch, 500 000 EUR in bar und sieben Luxusfahrzeuge beschlagnahmte. In Italien führten Experten von Carabinieri der NAS, die auf Lebensmittelgesundheit und -sicherheit spezialisiert sind, 23 Durchsuchungen durch und identifizierten 45 Verdächtige. Hier wurde eine Einzelperson festgenommen und neben zahlreichen Dokumenten auch 541 kg Blauflossen-Thunfisch beschlagnahmt.

Quelle: Mit Material von Europol, Malta today (16. Oktober 2018)


Ausschnitte

Auf dem Weg in die Schlacht (Roughcut)

Roughcut: 1. Dreh Mattanza (1)

Roughcut. DUR: 04´59

Tonnaroto Gegè ist früh morgens auf dem Weg zur Fähre von Carloforte nach Portoscuso. Er trifft einige noch feiernde Partygäste des Girotonno-Festivals, der alljährlichen Thunfisch-Woche auf der Insel. Sie kennen sich alle. Vermutlich wird Gegè 20 Stunden arbeiten.

Auf der Fähre von Carloforte nach Portoscuso unterhält er sich mit einigen Hilfsarbeitern über die Verteilung und den Verkauf der wertvollen Innereien, die den Tonnaroti zustehen. Dann geht es raus ins offene Meer zur Tonnara, zu einer der letzten traditionellen Mattanzen vor Sardinien.

Die Todeskammer (Roughcut)

Roughcut: 1. Dreh Mattanza (2)

Ausschnitt. DUR: 06´32

Blasco, auch Rambo genannt, ist der Star in der Tonnara. Er steigt mit seinen speziellen Messern in die sogenannte Todeskammer und riskiert wieder mal sein Leben. Seine Aufgabe: Er tötet die Fische schnell mit einem gezielten Stich ins Herz. Nach dem Fang beten alle gemeinsam zur Schutzpatronin der Tonnaroti (Santa Maria D’Itria).

Teilen nach der Mattanza (Roughcut)

Roughcut: Teilen nach der Schlacht

Roughcut. DUR: 06´03

Der Fang wird auf „La Isola Piana“ (Carloforte) schnellstmöglich ausgenommen und auf minus 18 Grad Celsius tiefgefroren, die Innereien akribisch getrennt, gewogen und dann verteilt. Gegè ist in seinem Element, Rais Nicolo ist unzufrieden mit der Verteilung der kostbaren Innereien. Tonnaroto Blasco ist zum letzten mal zu sehen beim traditionellen Schlachten nach einer Mattanza.

Die Tonnara bleibt, die Fischer nicht (Roughcut)

Roughcut: Das System Tonnara

Ausschnitt. DUR: 08´48

Vorbereitungen für einen jahrtausende alten Job. Ein Sturm hat die Tonnara durcheinander gewirbelt, nun muss alles wieder gerichtet werden. Kapitän Franko zieht Mannschaft und Material zur Falle. Der Manager der Tonnara, Andrea Farris, erklärt das neue System und die Gründe für die neue Methode. Ab jetzt wird der Fang in einen Käfig getrieben. Wie fast täglich wird auch jetzt wird wieder ein verirrter Schwertfisch aus der Tonnara entfernt.

Beifang & Abrechnung (Roughcut)

Roughcut: Beifang & Abrechnung

Roughcut. DUR: 03´41

In die Tonnara verirren sich auch Schwertfische. Das ist ein Problem, denn die Thunfische geraten in Panik, wenn sie ihre Jäger zu nahe haben. Deswegen wird die Unterwasserfalle täglich kontrolliert und bringt teilweise ungewöhnlich große dieser Jäger zu Tage. Bei der Abrechnung mit den Tonnaroti kommen Fragen auf, werden doch dieses Mal keine wertvollen Innereien verteilt. Kapitän Franco ist ist betrübt über die aussichtslose Situation der Fischer. Eine Tradition ist gestorben.

Das System Tonnara (Ausschnitt)

Ausschnitt: Die Tonnara (Modell)

Ausschnitt. DUR: 02´35

Prof. Nicolo Capriata aus Carloforte erklärt am Modell, wie die Unterwasserfalle (Tonnara) vor Sardinien funktioniert. Jedes Jahr stellt er beim „Girotonno“, dem Fest für den Thunfisch, sein Modell aus. Die Fischer verwenden Stellnetze, die alljährlich am Grund des Meeres mit Ankern befestigt werden und als Fischzaun wirken. Saison für die Tonnara ist das Frühjahr, insbesondere die Monate April und Mai.

Fallen & Farmen (Ostatlantik und Mittelmeer)

Quelle: Markus Thiele, ICCAT aus 2019